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Mykoplasmen - Infektion
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AUFSATZ
in Zusammenarbeit : Tzt. Wolfgang Klammbauer, Rosemarie Zacharias
In diesem Kapitel werden Mykoplasmen und Ureaplasmen gleichzeitig behandelt, da beide zu den kleinsten Bakterien ohne Zellwand gehören und sich in ihren Eigenschaften wenig von einander unterscheiden.
Mykoplasmen sind sehr kleine, intra- und extrazellulär, parasitär lebende Bakterien in der Größenordnung von 580 bis 1380 Kilo-Basenpaaren. Ein Basenpaar entspricht 2 Nukleotonen in ihrem DNA-Genom, das zur Autoreplikation befähigt ist. Mykoplasmen vermehren sich daher vollkommen selbständig innerhalb bzw. teilweise auch außerhalb der Zelle. Sie müssen die Zelle weder für ihre Vermehrung noch ihrem Stoffwechsel verlassen. Mykoplasmen sind aus der degenerativen Evolution der Gram-positiven Lactobacillen mit niedrigem GC-Gehalt (Baasenpaare : Cytoson, Guanin der DNA) entstanden. Mykoplasmen sind weichhäutge Mikroorganismen, da ihrer Außenhaut, zum Unterschied von anderen Bakterien, eine Zellwand fehlt. Die Zellmembran der Mykoplasmen enthält Cholesterin und aufgrund der fehlenden Zellwand ist diese sehr weich. Mykoplasmen gehen mit ihrer Wirtszelle eine, für den Träger, unfreiweillige Symbiose ein, wobei diese Bakterien parasitär vom Stoffwechsel des Wirtes Aminosäuren, Fettsäuren und Bausteine der Nukleinsäure entziehen. Eine Großzahl von Mykoplasmen kommt in der freuen Natur überall vor und ist apathogen, Daneben gibt es auch Mykoplasmen, die für eine Vielzahl von Infektionen verantwortlich sind. Im allgemeinen töten Mykoplasmen ihren Wirtsorganismus nicht.
Dieses Kapitel ist allerdings 2 Mykoplasmen-Species gewidmet, durch deren Infektionen schwerwiegende Schäden für die Wirtszelle entstehen und nach Betrachtung der Fälle eine nicht zu unterschätzende Seuche darstellen.
In Österreich sind seit einigen Jahren Mykoplasmen entdeckt worden, die beim Hund doch größeren Schaden anrichten, als bislang zuvor vermutet. Unter den hoch-pathogenen Zellwandlosen sind MYKOPLASMA CYNOS und MYKOPLASMA CANIS aufgefallen. Diese Bakterien wurden hochgradig in den Zuchten einer bestimmten Rasse nachgewiesen, da diese Hunde hinsichtlich einer variablen Infertilität und Dauerverkeimung mit div. Sepsiserregern und deren Folgen, sowie einer besonderen Affinität u.a. zu Allergien, schwächelndem Immunsystem, Veränderungen im Magen- und Darmepithel, häufigen Erkrankungen des Verdauungssystemes, aber vor allem der Atmungsorgane auffällig wurden. Bei den Rüden zeigten einerseits Ejakulate eine sehr geringe Anzahl intakter Spermien, auch im jugendlichen Alter, mit oft sich rasch anbindender, irreversibler Infertilität, bzw. auch Ejakulate mit normaler Spermiendichte, deren Spermien aufgrund bakterieller Einwirkung jedoch an Befruchtungsfähigkeit einbüßen. Hündinnen waren bezüglich fehlender Konzeption nach dem Deckakt auffällig geworden, bzw. gibt es immer auch Würfe mit vorerst gesund erscheinenden Welpen, die ca. nach den ersten 10 Lebenstagen mit Atemnot beginnend das Bild einer Bakteriämie entwickeln, bzw. auch Würfe mit normaler Welpenzahl, die vorerst nicht krank erscheinen, lebenslang jedoch hochgradige Ausscheider bleiben und mit zunehmenden Alter kränkeln. Betroffene Hunde scheinen nach Beobachtung vorzeitig zu altern, ein wenig versiertes Immunsystem zu entwickeln und ihre Lebenzeit scheint verkürzt. Zu beobachten ist auch eine erhöhte Häufung von Fällen von Enzephalitis aus betroffenen Zuchten, bzw. infizierten Tieren und Schwächen bis Lähmungen der Hinterhand. Betroffene Hunde zeigten außerdem vermehrt Rhinitis, Augenentzündungen, bei Junghunden auch Fehlstellungen einzelner Zilien, vermutlich aufgrund schwerer Bindehautentzündungen, erhöhte Zerumenbildung der Ohren. Bei älteren Hündinnen traten vermehrt Vaginalpoypen auf, es wurden auch polypenähnliche Veränderungen im Innenohr bei Ausscheidertieren beobachtet, sowie bei Frischinfektionen Lungenentzündungen, Bronchopneumonien mit schleimigem Exutat, Rhinitis, Augenentzündungen und bei älteren Frischinfizierten Plattenepithelzellkarzenome des Maules und des äußeren Gehörganges. In untersuchten Rüdenejakulaten wurden Mykoplasma Cynos, Mykoplasma Canis und ein vollkommen neues Bakterium, Ureaplasma Canigenitalium, welches anscheinend zur vollkommenen Sterilität führt, hgr. nachgewiesen. Weiters ist bei den gewonnenen Ejakulaten auch eine hohe Verkeimung mit anderen Sepsiserregern, wie u.a. hämorrhagischen E. Coli und häm. Streptokokken aufgefallen. Auch sind die Ejakulate mitunter leicht rosig eingefärbt, bzw. in 2 Fällen bluteten die Rüden direkt stark in das beim Hund 2., also spermienhältige, Ejakulat ein. Vorerst gesunde Hündinnen, die von Ausscheiderrüden gedeckt werden, entwickeln neben Resorptionen, bzw. fehlende Konzeption entzündliche Veränderungen am Uterusepithel und schließt sich in der Folge eine mehr oder weniger stark ausgepägte Hyperplasie des Endometriums an. Diese Veränderungen des Genitaltraktes bleibt auch nach Selbstausheilung der Infektion erhalten. Gesunde Hunde, die von Ausscheidertieren mit diesen Erregern infiziert werden, erkranken daran, bilden allerdings anscheinend von sich aus genügend Antikörper, die den Erreger vernichten. Die Veränderungen am Geschlechtstrakt bleiben aber, aufgrund der vorest massiven Entzündungen am Epithel, erhalten. Aufgrund der erheblichen Verdickung der uterinen und vaginalen Schleimhaut können Prolopsus Vaginae in mehr oder weniger starker Ausprägung beobachtet werden, sowie vermehrt neoplastische Veränderungen am vaginalem Epithel, wie Polypen und Zysten. Aufgrund der schweren, entzündlichen Verändungen des Endometriums ist nach solchen Infektionen die Fruchtbarkeit auch der Hündin nachhaltig vermindert, bzw. nicht mehr gegeben. Mit zunehmendem Alter schließen sich schwere Vorlagerungen der gesamten Vagina während der Läufigkeit an. In vielen dieser Fällen wirkt für den Laien die Vulva stark vergrößert, sodaß der laienhafte Hundehalter die Hündin noch immer im Östrus befindet, bzw. zeichnet sich optisch das Bild eines Daueröstrus aus. Bei genauer Betrachtung erkennt man allerdings den Vorfall der Vagina durch das Becken mit ödematöser Schwellung und leichter Sickerblutung aufgrund der gestauten Gefäße. Im zytologischen Bild erkennt man allerdings sofort, dass kein Östrus der Hündin mehr vorliegt. Beobachtet wurden auch im Zusammenhang mit dem Auftreten dieser beiden Mykoplasmen-Species Urethritis, Cystitis und Nephritis. Betroffene adulte Tiere sterben nach Jahren gehäuft an der Endstadiumniere, bzw. wurden immer wieder Fälle von chronischen Bakteriämien mit sich anbindendem, multiblem Organversagen beobachtet, sowie Fälle vermehrt von Gehirnhautentzündung und entzündlich, degenerativen Prozessen der Nervenbahnen des Rückenmarkes.
Der Nachweis von Myko- und Ureaplasmen gelingt mittels der polymerasen Kettenreaktion - PCR. Da die Bakterien allerdings in der Zelle überleben können, erweist sich schon aus diesem Grunde ein Behandlungserfolg als sehr fragwürdig. Ureaplasma Canigenitalium ist in Österreich bisher nur bei dieser Rasse überhaupt derzeit gefunden worden und gilt als vollkommener Neumutant. In der Untersuchung konnte derzeit kein Nährboden für eine erfolgreiche Anzucht zur Resistenzbestimmung gefunden werden. Mykoplasmen sind aufgrund ihrer fehlenden Außenhülle mit Beta-Lactam-Antibiotika nicht behandelbar. Die in den betroffenen Zuchten ausgewiesenen Mykos waren ebenso resistent gegen Fluorchinolone, Cephalosporine, Makrolide und a. Carpapeneme. Eine Behandlung der Bakterien ist nach Infektion somit nicht gegeben. Mykoplasmen erweisen sich außerdem als sehr versiert gegen Abiosen.
Für die außerordentlich fachkundigen Leistungen möchte ich mich bei Mag. Brunthaler, gerichtsmed. pathologische Abteilung der Uni Wien, sowie bei Prof. Dr. Spergser, Pathobiologie der vet. med. Universität Wien, sehr bedanken, durch deren Kompetenz diese Erreger überhaupt erst nachgewiesen werden konnten.
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Es stellt sich uns allerdings die Frage, warum Ausscheidertiere gegen diese Bakterien keine Antikörper bilden, wobei auffällig wurde, dass Hunde anderer Zuchten sehr wohl über diese Fähigkeit verfügen.
Gefährdet bleiben allerdings immer Welpen und Hunde im ersten Lebensjahr, bzw. vor Erreichen des Erwachsenen-Alters und Hündinnen, die von Ausscheiderrüden gedeckt werden, erkranken zuvor immer, da es hier unweigerlich vorerst zu einer schweren Entzündung des Endometriums kommt, sowie auch alte Tiere, bzw. Tiere mit einer Schwächung (Operationen, Allergiebehandlung, Impfung etc..) gefährdet sind. Die Infektion gelingt auf oralem und genitalem Wege. Infizierte Tiere, die nicht zur Zucht herangezogen werden, erkranken meist an Symptomen einer Rhinitis mit auffallend schleimig, zähem, nasalem Sekret, bzw. auch vermehrtem Augensekret und Reizungen der Bindehäute, sowie auch an Bronchopneumonien. Bei Infektion mit dieser Seuche kommt es ebenso gehäuft zu Proliferationen des Gewebes der Atemwege und der Geschlechtsorgane. Diese Mykoplasmen führen fallweise auch zu schweren Entzündungen des Lungenepitheles mit nachfolgendem Lungenödem. Bei Besiedelung bleiben sie lebenslang in der Schleimhaut der Atmungsorgane. Von der Lunge aus können sie jederzeit über den Blutweg (Bakteriämie) alle Organe, einschließlich das Zentralnervensystem, besiedeln, mit allen dazugehörenden Komplikationen. Ziehen sie in die Gelenke und Gelenksflüssigkeiten, bzw. Knochenhäute ein, kommt es zur Arthritis des betroffenen Gelenkes, bzw. Polyarthritis. Bei betroffenen Welpen wurden bereits in diesem frühen Stadium schwere Arthrosen nachgewiesen. Die Tiere serbeln lebenslang an den Folgen. Sie erreichen ihr eigentliches Lebensalter nicht.
Aus englisch-sprachigen Studien konnten wir ebenfalls eruieren, dass Träger-Rüden diese Erreger dauerhaft ausscheiden und mit infiziertem Ejakulat kontaminierte Hündinnen sehr bald nach dem Deckakt Schwellungen der Vaginalschleimhaut aufweisen, oft an Urethritis und Cystitis litten, bzw. an hgr zystisch glandulärer bis adenomatöser Hyperplasie des Endometriums.
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Prolapsus Vaginae nach Deckakt mit einem Ausscheiderrüden für Mykoplasma Cynos
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Die Frage, warum gewisse Hunde Antikörper bilden und genesen, während andere lebenslang serbeln und an den Folgen versterben, bleibt offen. Eine Abklärung einer möglichen degenerativen Immunschwäche aufgrund Fehlzüchtung, bzw. eine mögliche andere immunschwächende Basis, wie Brucella Canis, wäre abzuklären. Ausscheiderhunde sind von anderen fernzuhalten.
Wir vermuten, dass der Erreger schon einige Jahre in Österreich vorkommt und wahrscheinlich mit dem Tierhandel, bzw. Tieren aus östlichen Ländern in Zusammenhang steht. Die verschiedenen Erkrankungen, die durch Infektion mit diesen Erregern verursacht werden, können in der Kleintierpraxis einer exakten Diagnostik, ohne entsprechende Laboruntersuchungen, nicht zugeführt werden.
Als Prävention in Ballungszentren ist daher die Kastration, die sich ohnedies für nicht zur Zucht heranzuziehende Tiere als vorzügliche Gesundheitsvorsorge bewährt hat - (Vermeidung von Prostata-Entartungen, Neoplasien der Gonaden, Neoplasien und Karzenome am Gesäuge der Hündin, Neoplasien der Ovarien und uterine Erkrankungen), anzuraten. Dass eine Zucht mit Tieren, die Träger dieser Seuche sind, wohl mehr als verwerflich ist, versteht sich von selbst. Laufende bakteriologische Untersuchungen zur Überprüfung einer gesunden Keimflora des Hundes werden daher von gewissenhaften Zuchten in Österreich mit Nachweis durchgeführt.
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