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Erkrankungen des Auges
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und seiner Umgebung
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Entropium
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Das Entropium des Hundes wird durch eine Einstülpung des Lidsaumes in Richtung Bulbus dargestellt. Beim Entropium gibt es verschiedene Schweregrade und man unterscheidet zwischen einem geringfügigen, nasalen Entropium, einem nasalen, einem medialen, einem generalisierten Entropium des Unterlides und einem umfassend generalisierten Entropium, bei dem das gesamte Unter- und Oberlid betroffen ist.
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Beim umfassenden, generalisierten Entropium handelt es sich um eine schwere Anomalie des Ober- und Unterlides des Auges. Die Augenlider sind hiebei nach innen gestülpt und die Haare des Unterlides (hier das Fell des Hundes), sowie die gesamte Wimpernreihe und die Fellhaare des Oberlides liegen direkt auf der Hornhaut auf und reiben an der Cornea. Die Folge ist eine schwerwiegende Beschädigung der Hornhaut mit nachfolgender Eintrübung und unweigerlicher Erblindung. Ein generalisiertes Entropium muß immer operativ behandelt werden.
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Beim Entropium des Unterlides gibt es mehrere Grade der Ausprägung. Ein geringfügiges, nasales Entropium muß keine Irritationen der Hornhaut nach sich ziehen und bedarf daher keiner weiteren Maßnahmen. Beim stärker ausgebildeten Entropium des nasal liegenden Unterlides kommt es zur Scheuerfunktion der äußeren Haut und vor allem der Haare des Unterlides an der Cornea, was zur Eintrübung in diesem Bereiche führt. Diese Trübung macht sich vorerst als perlmutartiges Fleckchen an der Cornea ersichtlich und in der Folge kommt es zu Schutzmaßnahmen der Hornhaut, um eine Perforation zu verhindern. Die Hornhautzellen verdichten sich und es entsteht eine sekundäre Keratitis pigmentosa, die man als braunes Pigmentfleckchen an der Cornea erkennen kann. Bei braunäugigen Hunderassen, kann diese sterile Hornhautreaktion leicht übersehen werden. In einigen Fällen kann diese leichte Keratitis pigmentosa eine Reaktion der gesamten Hornhautzellen auslösen und die Keratitis erstreckt sich allmählich über die gesamte Cornea des betroffenen Auges und führt zur Erblindung. Ein generalisiertes Entropium des Unterlides führt schneller zur unerwünschten Hornhautreaktion und zur Erblindung. Ich habe vor Jahren ein generalisiertes Entropium bei einer E. Bulldogge gesehen, bei dem das Fell des Unterlides an der Cornea vollkommen auflag und dennoch waren keine direkten Schäden an der Hornhaut ersichtlich. Der Hund zeigte sich außerdem vollkommen schmerzfrei. Dennoch gilt diese Anomalie als schwerwiegend und sollte unbedingt einer chirurgischen Maßnahme bei einem ausgewiesenen Augenspezialisten unterzogen werden. Bereits eingetretene Hornhautreaktionen sprechen sehr gut auf Cyclosporin an. Liegt gleichzeitig eine Trichiasis vor, steht diese immer im Zusammenhang mit der Anomalie des Unterlides. Eine OP an der Trichiasis sollte vorerst immer unterbleiben und die Distichien sollten mittels Augensalbe nach außen massiert werden. Nach Korrektur des Entropiums werden die Wimpern des Oberlides wieder in die gewünschte Richtung wachsen.
Das Entropium ist ein Erbdefekt. Der Erbgang ist dominant mit variabler Penetranz. Mindestens ein Elternteil muß die Gene für diese Anlage tragen, wobei dieser Elternteil eine Form des Entropiums sichtbar aufweist. Bei betroffenen Rassen sollte daher vor Anpaarung eine entsprechende Augenuntersuchung durchgeführt werden.
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Sekundär-Entropium und ektopische Zilien
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Ein Entropium unterliegt in der Regel einem dominanten Erbgang. Es kommen allerdings Formen des Entropiums vor, die nicht erblicher Natur sind. Unfälle, Bißverletzungen im Gesichtsfeld können als Folgeschäden auch Veränderungen der Beschaffenheit der Augenlidernach sich ziehen. Nervale Erkrankungen, endokrine Störungen, virale und bakterielle Infekte können zum Lidspasmus führen und ein Entropium vortäuschen, bzw. zur bleibender Fehlstellung der Augenlider führen. Vernarbungen am Lidrand, Bindehautentzündungen, aber auch reizende Fremdkörper bzw. Haare am Auge führen zu einer Einwärtsdrehung des Unterlides bzw. mitunter auch zum generalisiertem Lidspasmus, welcher als Entropium diagnostiziert wird. Diese Form ist erworben und nicht erblich.
Ektopische Zilien, Distichiasis führen in der Regel zum Sekundärentropium, da durch den Reiz an der Cornea ein Schmerz, bzw. eine Irritation für das Auge verursacht wird und als Reaktion kommt es zum Spasmus der Augenlider. Dies erfolgt ähnlich, wie wenn wir einen Fremdkörper im Auge verspüren und das Auge dadurch schließen, um den Reiz zu lindern. Bei länger anhaltender Irritation der Cornea bzw. bei schmerzhaften Verletzungen des Auges durch Fremdkörper oder Zilien hält der Hund das Auge nicht nur geschlossen unter vermehrter Tränenflüssigkeitsekretion, die der Ausschwemmung des Fremdkörpers dienen sollte, sondern die Unterlider werden nach innen gerollt. Nach Behebung der ursächlichen Reizung des Auges lindert sich das Sekundär-Entropium und bildet sich nach einiger Zeit wieder vollständig zurück. In einigen Fällen kann der Hund diesen Spasmus aufrecht erhalten bzw. bei länger dauernden Entzündungen des Auges oder Fremdkörpereinwirkung kann es zum dauerhaften Lidspasmus kommen. Dieser wird als Entropium diagnostiziert, obwohl es sich hiebei nicht um das echte, erbliche Roll-Lid handelt.
Bei brachyzephalen Hunderassen mit Nasenfaltenbildung kann sich diese Hautfalte über der Nase mitunter entzünden. Durch die Entzündung entsteht ebenso ein Juckreiz und der Hund kratzt sich das Gesichtsfeld in der Umgebung des Auges. Dadurch kann er sich sehr leicht Traumen an den Lidern bzw. direkt an der Hornhaut zufügen und als Folge der Traumata kommt es zum Schließen des Auges bzw. zum Sekundär-Entropium. Eine Nasenfalte kann sich bei mangelnder oder unsachgemäßer Pflege dermaßen entzünden, daß es zu Schwellungen im Bereiche dieser kommt bis hin zum nasalen Augenwinkel. Automatisch wird auch das Gewebe des unteren Augenlides hiedurch ödematisiert und ein nasales, bei schweren Entzündungen auch mediales, Entropium bildet sich als Folge der Faltenentzündung aus und wird oft als erbliches Entropium beurteilt. Die nasale Falte sollte daher bei Brachyzephalen, deren Standard eine solche vorschreibt, bzw. deren Zucht diese anstrebt, unbedingt einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen werden und im Bedarfsfalle einer unverzüglichen Behandlung, um sekundäre Folgeschäden zu vereiteln.
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EKTOPISCHE ZILIEN irritationscausal : Bei Hunden kommen sehr oft Häärchen außerhalb der normal angelegten Distichienreihe vor. Meist sind diese Zilien in der Beschaffenheit fein und sollten daher belassen werden, solange sie keine Irritationen oder Schäden an der Cornea anrichten. Die Häärchen fallen ca. alle 4 bis 8 Wochen von selbst aus. Zilien außerhalb der Wimpernreihe sind eine häufige Erscheinung bei Hunden aller Rassen und deren Mischungen. Mitunter wächst ein borstiges Haar Richtung Bulbus und dieses sollte mit einer Pinzette auch unter Verwendung einer Spaltlampe ausgezupft werden. Nach einigen Wochen sollte diese Stelle allerdings unbedingt nachkontrolliert werden um sicher zu gehen, daß die Zilie nicht wieder bulbusgerichtet nachwächst. Unter ektopischen Zilien versteht man wörtlich Haare die außerhalb der Wimpernreihe angelegt sind. Im strengen Sinne sind unter ektop. Zilien allerdings Haare zu bezeichnen, die in der Bindehaut des Auges angelegt sind und deren Wachstum die Hornhaut irritiert bzw. beschädigt. Da ektopische Zilien bei bestimmten Rassen vermehrt auftreten kann von einer Erblichkeit ausgegangen werden. In diesen Fällen sollte eine entsprechende Augenuntersuchung der adulten Zuchttiere vor Anpaarung unbedingt vorgenommen werden. Bei Welpen kann eine Voruntersuchung stattfinden, allerdings zeigen Merkmalträger nicht immer in der frühkindlichen Entwicklung diese Anlage sichtbar. Oft wachsen Zilien erst im Laufe des weiteren Wachstums und dieses Zilienwachstum geht meist mit dem allgemeinen Haarwechsel begleitend einher. Die Hornhaut irritierende ektopische Zilien sind ein Notfall, da sie die Hornhaut perforieren können, es handelt sich in der Regel um keine weichen Häärchen, sondern borstige, fehlgelagerte Wimpern, andererseits scheuern diese Zilien sehr stark an der Cornea und es folgt innerhalb kürzester Zeit eine Eintrübung an der Scheuerstelle, die perlmutartig anmutet. Das Auge tränt sehr stark, ist gerötet bis hoch rot und wird meist vom Hund zugekniffen. Der Lidspasmus täuscht ein Entropium vor. Ektopische Zilien sind allerdings nicht in jedem Falle erblich, sondern eine fehlgerichtete Ausbildung von Häärchen kann auch auf Grund von vorangegangenen Entzündungen eingeleitet worden sein. Eine Blepharitis - Lidentzündung - ausgelöst durch Staphylococcus Aureus, Pasteurella Multozida und Typ G Streptokokken kann sehr leicht zu Verwachsungen im Bereich der distichialen Haarbälge führen. Genannte Erreger dringen tief in das Gewebe ein und können leicht zu Feinvernarbungen mit Zerstörung der distichialen Haarbälge führen. Oft geht die Blepharitis mit einer Conjunctivitis - Bindehautentzündung - einher und kann nicht nur eine Trichiasis verursachen, sondern bei noch in Entwicklung stehenden Junghunden auch eine gewebliche Verlagerung einzelner Haarbalgdrüsen. Besonders Pasteurellen neigen zu tiefgeweblicher Vernarbung der entzündeten Schichten. Zilien wachsen hienach nicht mehr in ihre ursprüngliche Richtung, sondern in der Anlage abgedreht durch das Gewebe in Richtung Bulbus. Meist betrifft dieser Sekundärschaden nicht einzelne Zilien, sondern umfaßt die Haarbalgdrüsen mehrerer, oft vieler Zilien. Es ist ein einem solchen Falle schwierig abzuklären, ob Erblichkeit oder eine entzündliche Causalität vorliegt. Die Behandlung erfolgt in beiden Fällen gleich. Eine Antibiose muß der Operation angeschlossen sein. Der Mops zeigt eine erhöhte Neigung zu Entzündungen der Augenlider und der Bindehäute und Junghunde dieser Rasse eine Affinität zu Pasteurelleninfektionen, die zumeist hartnäckig bestehen und einer besonderen Behandlung bedürfen. Bei Möpsen besteht außerdem ein erhöhtes Risiko zu Verletzungen der Cornea mit anschließender, bakterieller Besiedelung, wobei innerhalb von Stunden ein Ulcus ausgebildet wird. Auch Feinverletzungen der Lidränder kommen bei spielenden Jungmöpsen sehr häufig vor und diese bilden ideale Eintrittspforten für die Haut und Schleimhaut besiedelnde Keime, die allerdings in tieferen Gewebereichen dann zu lokalen Entzündungen führen und wiederum fehlgerichtetes Wachstum von Zilien zur Folge haben können.
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durch ZILIEN induzierte KERATITIS PIGMENTOSA
bei Rassen, deren Standard eine Falte über den Nasenrücken vorschreibt bzw. deren Zucht auf dieses Merkmal betrieben wird, sind Übertreibungen rigoros zu vermeiden. Die Haare der Nasenfalte dürfen niemals die Hornhaut des Auges berühren. Eine Rückzüchtung zu wenig Falte in diesem Bereich wäre hier dringend erforderlich und Zuchtausschluß von Trägern anomal dicker Falten, die den Bulbus bzw. die Cornea berühren.
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Im obigen Fallbeispiel wurde auf zu extreme Nasenfalte gezüchtet und ebenso ist hier ein knöcherner Nasenrücken nicht mehr vorhanden - QUALZUCHTSYNDROM. Die Haare der Nasenfalte reiben permanent an der Cornea Bulbi und diese reagiert mit einer Verdichtung der cornealen Zellen. Die Zellen der Cornea werden nicht nur dichter angelegt, sondern in ihrer Beschaffenheit auch dicker und undurchsichtiger. Es kommt zur Ausbildung brauner Flecken im Auge - Keratitis pigmentosa. Diese Sekundär-Keratitis führt bei Nichtbehebung der Ursache zur Erblindung des Hundes. Hunderassen, die eine nasale Falte als Schönheits-Merkmal im Standard führen, sollten vor Anpaarung dringend auf deren Dicke und auf die Länge des Nasenrückens untersucht werden. Extreme Merkmalträger sind rigoros von der Zucht auszuschließen.
VORSICHT in der Diagnostik : die KERATITIS PIGMENTOSA ist keine Keratitis sicca - es handelt sich nicht um das Trockenauge, das beim Mops sehr selten auftritt, meist allerdings bei extremen züchterischen Augapfelvorlagerungen, da hier der Bulbus mit Tränenflüssigkeit nicht mehr ausreichend versorgt wird und dies zur Austrockung der Cornea führt. Diese Merkmalträger müssen lebenslang einen Tränenflüssigkeitsersatz erhalten - QUALZUCHTKRITERIUM. Beim Mops ist vor Anpaarung daher das Auge zu untersuchen und Merkmalträger sind rigoros von der Zucht zu merzen. Weiters ist bei der Diagnostik der Keratitis zu beachten, daß die Keratitis pigmentosa nicht mit der Keratitis parenchymatosa chronica (Erbdefekt) verwechselt wird. Die Keratitis pigmentosa ist nicht schmerzhaft und meist eine Folgeerscheinung eines anderen Augenleidens bzw. eine Reaktion auf eine Narbenbildung der Cornea. Eine Sonderform stellt die juvenile Keratitis pigmentosa dar, die hoch erblich ist und zur vollkommenen Erblindung des Auges führt, auf die ich noch gesondert eingehen werde.
Eine besondere Stellung hinsichtlich des Sekundär-Entropiums nimmt der corneale Ulcus ein. Beim Hornhautgeschwür, meist durch Verletzungen mit anschließender bakterieller Besiedelung, kommt es aufgrund des schmerzhaften Zustandes zum krampfhaften Verschluß der Augenlider - Lidspasmus, wobei vor allem das Unterlid nach innen gerollt wird. Nach Behandlung und Abheilung des Hornhautgeschwüres normalisiert sich der Lidschluß in der Regel wieder. Durch zu lange anhaltenden Reiz bzw. Schmerz des Auges kann es aber auch um chronischen Lidspasmus führen und somit zum Sekundär-Entropium.
Bildnachweis : Klinikmaterial Aufsatz : Zacharias
Erkrankungen des Auges Inhaltsverzeichnis
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Trichiasis
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Diese Erkrankung ist nicht kongenital. Eine Trichiasis stellt eine Einwärtsdrehung der Distichien des Oberlides dar. Dieses anomale Wachstum der Wimpernreihe ist niemals erblich bedingt, sondern immer ein sekundäres Geschehen eines anderen Grundleidens. VORSICHT : die Trichiasis wird leider zu oft mit der Distichiasis und mit ektopischen Zilien verwechselt. Zur näheren Erklärung lege ich nachstehende Skizzen bei :
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Die linke Skizze stellt eine gesunde Wimpernreihe dar, das rechte Bild eine Zilie, die aus der Meibomschen Drüse wächst - Distichiasis. Die Wimpern, der Hund besitzt diese in der Regel nur am Oberlid, werden als Distichien bezeichnet. Zilien sind Häärchen und dieser Ausdruck per se ist nicht für eine Erkrankung heranzuziehen. Ektopische Zilien sind Häärchen, die außerhalb der normalen Reihe der Distichien wachsen. Unter den ektopischen Zilien gibt es verschiendene Erscheinungsformen, die nicht alle pathogen sind. Allgemein werden unter ektopischen Zilien allerdings Haare bezeichnet, die meist aus der Bindehaut des Oberlides wachsen und zu schweren Irritationen der Cormea führen. Die Trichiasis ist für Zilien, genauer gesagt für Distichien bezeichnend, die aus der normalen Distichienreihe wachsen, allerdings ihre Wachstumsrichtung nach unten auf die Cornea richten. Im mittleren Bild auf der linken Skizze wird eine solche, nach unten wachsende Distichie gezeigt.
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Trichiasis bildet sich leicht aus, wenn kleine Narben am Lidrand aufgrund vorangegangener Verletzungen, auch Mikroverletzungen entstehen. Kleinstverletzungen kommen oft nach Kratzen im Gesichtsfeld des Hundes vor, nach Entzündungen oder Reiben des Gesichtes an Gegenständen, wie dies oft Möpse lieben ! Sehr oft entstehen fehlgerichtete Distichien nach Infektionen des Auges, Ulcus Cornea, Verletzungen des Auges, auch Feinverletzungen der Hornhaut, da der Hund dann gerne das Auge reibt, nach viralen und bakteriellen Infektionen des Auges, der Bindehäute und der Lider und Warzen bzw. kleine Tumore, die sich in den Haarbälgen der Wimpern bilden, bzw. den Rand der Distichien säumen - kommt bei älteren Hunden gelegentlich vor. VORSICHT : Trichiasis wird oft mit ektopischen Zilien und mit Distichiasis verwechselt. Eine Trichiasis sollte nicht operiert werden, da es zur unnötigen Narbenbildung in der normalen Wimpernreihe führen kann und die benachbarten Distichien dann wieder auf Grund von Feinvernarbungen in eine unerwünschte Richtung wachsen. In Richtung Bulbus gebogene Wimpern werden mit einer Augensalbe nach außen gestrichen. Handelt es sich um eine einzelne Distichie, ist es sinnvoll, diese eventuell mit einer Pinzette zu entfernen und das Auge hienach zu beobachten, ob weitere Irritationen vorliegen, bzw. in welche Richtung die nachfolgende Wimper wächst. Eine Erblichkeit liegt hier nicht vor.
Inhaltsverzeichnis
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Distichiasis
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Unter dieser Anomalie versteht man das Wachstum von Wimpern aus der Meibom-Drüse. Die Meibomsche Drüse ist eine Form einer kleinen Talkdrüse.
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Die Distichiasis kann einzelne Distichien betreffen, in ausgeprägten Fällen kann eine gesamte zweite Wimpernreihe angelegt sein.
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Distichiasis wird in der Regel autosomal dominant vererbt mit variabler Penetranz. Dies bedeutet, daß mindestens ein Elternteil Distichien außerhalb der Wimpernreihe aufweist. In einigen Fällen wird auch ein rezessiver Erbgang vermutet, hier könnte es sich allerdings um polygene Determination einzelner dominanter Gene handeln, die Schwellencharakter aufweisen. Allgemein kann man von einer dominanten Vererbung ausgehen und daher macht es Sinn, belastete Rassen auf diese Anomalie vor Zuchteinsatz dahingehend zu prüfen.
Inhaltsverzeichnis
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Ektopische Zilien
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Darunter versteht man wimperähnliche Haare, die außerhalb der normalen Wimpernreihe wachsen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten : nicht jedes Häärchen, das außerhalb der Distichienreihe wächst, ist als krankhaft anzusehen und nicht jedes Häärchen, das die Cornea berührt, führt automatisch zu Schäden an dieser. Viele Hunde weisen Haare außerhalb der normalen Wimpernreihe auf, auch die Brachyzephalen. Viele dieser Häärchen sind sehr weich und reizen die Hornhaut nicht. Diese können auf jeden Fall einfach belassen werden. Unnötige Entfernungen oder gar operative Eingriffe können in diesem empfindlichen Bereich große und oft irreversible Schäden anrichten. Nach dem Auszupfen solcher Zilien, können diese nachwachsen und oft in einer steiferen Form, als das ursprüngliche Häärchen, sodaß nun Irritationen der Cornea gegeben sind. Chirurgische Entfernung kann Narbenbildungen hinterlassen, die zu Fehlwachstum der Zilien des umliegenden Gewebes führen können und diese fehlwachsenden Distichien reiben nun erst recht an der Hornhaut. Narben selbst können große Probleme in diesem empfindlichen Berich am Auge verursachen. Narben können dauerhaft Reiben und zur Trübung der Cornea führen, bzw. das betroffene Augenlid selbst kann in schlimmen Fällen zu Fehlstellungen neigen und zum Sekundärentropium. Chirurgische Entfernungen ektopischer Zilien oder Distichien aus der Meibom Drüse sollten ausschließlich ausgewiesenen Augenspezialisten vorbehalten sein, die über die entsprechenden, feinchirurgischen Geräte für derlei Operationen verfügen, bzw. die Kenntnis besitzen, wann und wie Maßnahmen chirurgischer Art durchzuführen sind. An der Universitätsklinik Wien erhalten betroffene Patienten genaue Auskünfte über die entsprechenden Spezialisten in jedem Bundesland. Eine unsachgemäß durchgeführte OP kann hier sogar mit dem Verlust des Auges oder der Sehkraft einhergehen. Im medizinischen engeren Sinne versteht man unter ektopischen Zilien Haare, die aus der Bindehaut des Oberlides senkrecht direkt Richtung Bublus wachsen und zwangsläufig dadurch an der Cornea schäuern, diese oft im kleinen Ausmaß perforieren bzw. für behandlungsresistente, zentrale Ulci Corneae verantwortlich zeichnen.
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Ektopische Zilien sind meist sehr steif, borstig und wachsen direkt aus der Bindehaut des Oberlides Richtung Cormea. Sie können die Cormea sogar perforieren und stellen daher einen Notfall dar !!!
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Es macht Sinn, ektopische Zilien zu lasern. Die Entfernung mit dem Skalbell muß sehr gekonnt durchgeführt werden, da eine zu tiefe Entnahme der Zilie zur bleibenden Narbenbildung führen kann, die wiederum erst recht an der Cornea zu Schäden führt, bzw. eine zu seichte Abtragung ein Nachwachsen der Zilie in noch stärkerem Ausmaß fördern kann.
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Ektopische Zilien in der Bindehaut des Oberlides verursachen beim Patienten große Schmerzreaktionen, da diese steifen Haare direkt in die Hornhaut stechen. Der betroffene Hund ist kaum in der Lage sein Auge zu öffnen. Er versucht irritiert laufend mit der Pfote zu scheuern um den vermeindlichen Fremdkörper zu entfernen. Dies kann zu weiteren, bösen Verletzungen des Auges führen. Diese Erkrankung ist immer ein Akutfall. Eine operative Maßnahme muß ehestmöglich durchgeführt werden.
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Dieses Bild zeigt eine korrekt entfernte Zilie. Die Entfernung dieser, an der Unterseite des Oberlides wachsenden Haare muß ehestmöglich erfolgen. Hat bereits eine Perforation der Hornhaut stattgefunden, bzw. hat sich ein Ulcus Cornea bereits ausgebildet mit nachfolgender bakteriellen Beteiligung, wird dieser Bereich der Cornea nach lokaler Betäubung des betroffenen Auges mit Jodtinktur gesäubert und die Verletzung mit Hyaluronsäure verschlossen. Eine antibiotische Abdeckung ist für mehrere Tage nach dem Eingriff sinnvoll. Hat sich bereits ein großer Ulcus ausgebildet, macht es wenig Sinn, diesen mit einer cornealen Linse zu schließen, da diese die Heilung der cornealen Defekte nicht begünstigt. Weitaus sinnvoller ist es, eine Bindehautschürze anzulegen, da somit auch die Pupille ruhig gestellt ist und das körpereigene Material am Verletzungsort der Cornea zur Heilung beiträgt. Es werden durch diese Maßnahme stärker corneale Zellen nachgebildet, als wenn eine Linse aufgesetzt wird. Die Ruhigstellung der Pupille ist für die rasche Heilung des cornealen Schadens sehr wertvoll. Besser ist allerdings immer, ektopische Zilien unverzüglich zu entfernen, bevor es zu cornealen Schäden größeren Ausmaßes kommt. Eine antibiotische Abdeckung für einige Tage ist angebracht. Bei bereits bestehenden cornealen Schäden sollte die Verwendung von Cortisonsalben bei Boxern und Möpsen unbedingt unerlassen werden, da bei diesen Rassen die cornealen Schichten locker aufliegen und Cortison zum unnötigen Substanzverlust der cornealen Zellen führt. Cortison ist aus diesem Grunde im Mopsauge ohnedies immer contrainduziert. Zur Verhinderung von Narbenbildung bzw. Narbenrückbildung hat sich Cyclosporin als sehr geeignet erwiesen. Zuvor ist allerdings immer die Abheilung des cornealen Schadens abzusichern. Ektopische Zilien kommen bei Hunden sehr häufig vor. Zu den besonders betroffenen Rassen gehören die Vertreter der Brachyzephalen. Ektopische Zilien werden als erblich vermutet, wobei der Erbgang als dominant mit veriabler Penetranz bzw. als polygen determiniert erachtet werden kann. Es ist bei betroffenen Rassen eine diesbezügliche Untersuchung vor Anpaarung anzuraten. Ektopische Zilien unterliegen allerdings nicht immer einem erblichen Modus. In letzter Zeit ist auch eine Besiedelung mit einigen Eiter- und Katarrh-Erregern in Betracht gezogen worden, ein Wachstum von Zilien außerhalb der Distichienreihe zu begünstigen. Ektopische Zilien wachsen oft genau unter der eigentlichen Wimpernreihe an der Bindehaut des Oberlides. Bei Junghunden kommt es nach Kontaktaufnahme durch Pasteurella Multozida, häm. Streptokokken und bestimmten Subtypen des Staph. Pseud. Intermedius zur massiven Besiedelung der Bindehäute und Lidränder. Auf Grund der folgenden Entzündungen in diesem Bereich kann es leicht zur Ableitung von ursprünglich korrekt angelegten Distichien kommen, sodaß deren Wurzelbereich durch Entzündungen und Vernarbungen abgedreht bzw. verlagert wird. Besonders Pasteurellen zeigen eine starke Tendenz zur Narbenbildung und Proliferationen vor allem der Schleimhäute, auch der Bindehäute des Auges. Pasteurellen und einige Streptokokkensubtypen zeigen die Neigung, sehr tief in Gewebe vorzudringen und diese Besiedelungen findet man mitunter massiv bei Junghunden aus Ballungszentren. Eine diesbezügliche bakteriologische Untersuchung wäre angezeigt, bzw. eine Antibiose des Auges nach OP erforderlich.
Bildnachweis : Klinikmaterial. Text : Zacharias
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